CDU-Politiker Philipp Jenninger gestorben

Unser Gedenk-Thread
Antworten
Benutzeravatar
Eiserner Knut
Beiträge: 21804
Registriert: 14 Okt 2007, 00:16
Wohnort: Wienerberg

CDU-Politiker Philipp Jenninger gestorben

Beitrag von Eiserner Knut » 05 Jan 2018, 21:09

CDU-Politiker Philipp Jenninger gestorben

Eine einzige umstrittene Rede beendete die politische Karriere des ehemaligen deutschen Bundespräsident, der später Botschafter in Österreich wurde. Jenninger ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Bild
Philipp Jenninger – (c) imago/Rainer Unkel
05.01.2018 um 20:00


Der frühere deutsche Bundestagspräsident Philipp Jenninger (CDU) ist tot. Er starb nach einer Mitteilung des Bundestags am Donnerstag im Alter von 85 Jahren. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte am Freitag, Jenninger habe die deutsche Politik über viele Jahre in herausgehobenen Positionen maßgeblich mitbestimmt.

Jenninger gehörte dem Bundestag von 1969 bis 1990 an. Von 1984 bis 1988 war er dessen Präsident. Davor war der enge Vertraute von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zwei Jahre lang Staatsminister im Kanzleramt gewesen, wo er vor allem mit der Deutschlandpolitik betraut war.

In einer Feierstunde des Bundestags am 10. November 1988 zum Gedenken an die Opfer der anti-jüdischen Pogrome 50 Jahre zuvor hielt Jenninger eine missverständlich formulierte Rede. Er trennte nicht deutlich genug zwischen Zitaten aus der Zeit des Nationalsozialismus und eigenen Worten und löste damit einen Eklat aus. Abgeordnete von SPD, FDP und Grünen verließen aus Protest während der Ansprache den Plenarsaal. Auch international gab es eine Welle der Empörung. Jenninger zog am Tag darauf die Konsequenzen und trat zurück.

Die Kritik richtete sich vor allem gegen Passagen, in denen Jenninger die politischen Erfolge Hitlers in seinen ersten Amtsjahren hervorhob und in Frageform antisemitische Vorbehalte wiedergab. In der Rede hieß es unter anderem: "Die Jahre von 1933 bis 1938 sind selbst aus der distanzierten Rückschau und in Kenntnis des Folgenden noch heute ein Faszinosum insofern, als es in der Geschichte kaum eine Parallele zu dem politischen Triumphzug Hitlers während jener ersten Tage gibt."

"Großes Verantwortungsgefühl"

Nach dem Rücktritt kamen auch Stimmen auf, die Jenningers Versuch, sich in die Rolle deutscher Kleinbürger zur NS-Zeit zu versetzen, als "mutig" und "überlegt", wenngleich miserabel vorgetragen bezeichneten. Schäuble sagte jetzt zum Rücktritt Jenningers: "Dass er 1988 nach einem schmerzhaften Missverständnis für sich politische Konsequenzen zog, zeigte sein großes Verantwortungsgefühl."

Bei der Bundestagswahl 1990 kandidierte der aus Baden-Württemberg stammende CDU-Politiker nicht mehr. Er wurde von 1991 bis 1995 deutscher Botschafter in Österreich und anschließend bis 1997 Botschafter im Vatikan.

1997 geriet Jenninger noch einmal in die Schlagzeilen, als er für das Amt des Präsidenten des renommierten Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) kandidierte. Nach heftigen Protesten von SPD und Grünen sowie von Vertretern aus Kunst und Kultur zog er seine Kandidatur zurück.

(APA/dpa)

Quelle: DiePresse.com
--> Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher <--> Albert Einstein

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste